Die Raummaschine

Niemand hat die Absicht Apple zu kopieren

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Apple klaut bei Xerox, Microsoft klaut bei Apple, Android klaut bei iOS und iOS klaut später wieder zurück… im Soft- und Hardwarebereich wird munter vor sich her geklaut. Man sieht eine gute Idee bei einem Mibewerber, nimmt sie und setzt sie in den Kontext seines eigenen Produktes. In der Regel wird da nicht eins zu eins übernommen, es wird geremixt, weiterentwickelt, verbessert, verändert. So war das immer, so wird das immer sein. Lässt man diese eigene Inspiration, die Erweiterung und Verbesserung der geklauten Idee weg wird das klauen (das ohnehin ein völlig falscher Begriff ist, aber das ist eine andere Debatte) nicht böse. Aber es wird sinnlos.

Momentan ist allerdings scheinbar ein Großteil der Designer von Notebooks, Smartphones und diversem Zubehör so dermaßen von Apples Erfolg angefixt, dass sie entweder in Erfurcht alle eigene Kreativität verloren haben, oder aber aus Verzweiflung keinen anderen Weg sehen als deren Produkt schlichtweg eben nachzuahmen. Niemand braucht ein billiges, dreistes iPad-Ripoff, HP hat bestimmt auch eigene Designer und was Samsung da treibt ist streckenweise so peinlich, dass man Apple die Produktklagen fast nicht mehr übel nehmen kann… das MacBook Air wurde zu seiner Markteinführung belächelt, jetzt hecheln alle seinem Vorbild hinterher und schaffen es dabei nicht einmal, Apple auf der ehemaligen Achillesverse des hohen Preises zu schlagen.

Größer, besser, weiter…

Gleichzeitig wird an anderer Stelle das genaue Gegenteil dieser Strategie versucht: Immer größer werden die Displays der Smartphones, in den meisten Fällen ohne sinnvollen Mehrwert. Dieses absurde Bildschirmdiagonalen-Wettrüsten findet seinen Höhepunkt im pervertierten 5”-Display des Samsung Galaxy Note. Was dem Millionen Dollar teuren Superbowl-Spot fehlt ist eine Erklärung, warum 5” besser sind als 3,5”. Was ich mit dem Stylus anfangen kann. Oder auch wie man das Gerät in seine Hosentasche steckt, denn dieser vermutlich merkwürdige Anblick wird uns leider erspart. Vermutlich weil es Samsungs Designer selbst nicht wissen. Einzige Anwendung für den Stift ist das Autogramm eines Semi-Promis, einziger Grund für ihn scheint die Abgrenzung von Apple zu sein. Seht her, wir können anders sein als Apple! Das Problem: dieses “anders” ist weder gut noch neu. Stifte für Tablets mögen ihre Daseinsberechtigung haben, aber so etwas gibt es auch für andere Touchscreengeräte. Der Einzige Gedanke hinter solchen Entwicklungen scheint eine zwanghafte Produktabgrenzung vom iPhone zu sein. So macht es sich Samsung in dem Werbespot dann allzu bequem in der Rolle als Zweitplatzierter und wünscht sich heimlich wohl, dass man über schlangestehende Galaxy-Fans Witze machen würde…

Dabei ist es ja nun bei Weitem nicht so, dass Apple einzig und allein die besten Geräte herstellt. iOS musste einen langen Weg gehen um da anzukommen wo es jetzt ist und ein MacBook Air ist bei allen Vorteilen noch immer mit vielen Kompromissen verbunden. Dennoch ist das was vielen der anderen großen Consumer Electronics-Produzenten der Welt einfällt nur ein uninspiriertes Kopieren oder ein unüberlegtes “alles anders machen”. Apples Wachstum und Einfluss, der “goldene Käfig” und ihre Bemühungen der zentralen Kontrolle sämtlicher Software auf ihren Geräten… das sind Entwicklungen, die ich zwar weniger dystopisch sehe als manch anderer, aber doch noch einen bedrohlichen Spin bekommen könnten.

Ohne Not

Seit ich ein Samsung Galaxy Nexus in den Händen halten durfte wunden mich ihre Nachahmer-Versuche um so mehr. Vermutlich sind die Netzteile, Verpackungen und Icons nur gezielte Trollversuche. Nötig hat die Firma es eigentlich nicht, denn das Galaxy Nexus ist vermutlich das beste Android-Smartphone to date und aus meiner Fanboy-Sicht das erste, das es in vielerlei Hinsicht mit dem iPhone aufnehmen kann. Wenn ich durch meine fanboy reality distortion hindurchblicke ist es sogar das beste Smartphone auf dem Markt: ein eigenständiges (und tatsächlich schönes) Design, gute Hardware und ein ausgereiftes Betriebssystem. Bringt Samsung mehr solcher Geräte dürfte es bis 2013 seine Rolle als dominanter Android-Smartphone-Hersteller gefestigt haben.

So bleibe ich nach dem Ausschütten all dieser Gedanken genau so ratlos zurück wie zuvor und wundere mich weiterhin, warum alle nur Äußerlichkeiten von Apple übernehmen. “Design is how it works” hat Steve Jobs gesagt und John Gruber hat dieser Philosophie und dem Missverständnis über den Begriff “Design” heute einen langen Blogpost gewidmet. Was die Konkurrenz kopiert ist immer nur das Äußerliche, der Schein, das, von dem viele Glauben es sei das was ein Apple-Produkt für die Kundenscharen ausmacht. Ist es aber nicht. Es gibt andere Dinge, die sich diese Firmen bei Apple abschauen sollten: den Mut, sich nicht ausschließlich nach Kundenwünschen zu richten. Die Konsequenz, eine Idee entstehen zu lassen und zu Ende zu denken. Das Selbstbewusstsein, sich nicht um die Produkte der Konkurrenz zu scheren.

Apple

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