Ich habe aus Frust über Fehlen einer Reaktion von Seiten Thomanns zu den Vorwürfen, das Werbebild der Kampagne “Play it. Feel it.” wäre sexistisch eine Mail an Geschäftsführer Hans Thomann geschrieben und bekam sehr schnell eine Antwort, was mich erstmal sehr gefreut hat. Ich poste die Mails hier erstmal ohne weitere Kommentare oder Veränderungen.
Meine Mail an Hans Thomann, Geschäftsführer des Musikhauses Thomann
Sehr geehrter Herr Thomann,
Auf der offiziellen Facebook-Seite ihres Unternehmens (https://www.facebook.com/musikhausthomann) wurde am 12. Juni gegen Abend ein Entwurf zu Ihrer Werbekampagne unter dem Motto “Play it. Feel it.” veröffentlicht. Das Bild wurde inzwischen von Facebook entfernt. An besagtem Motiv haben ich und viele andere Nutzer der sozialen Netzwerke Facebook und Twitter teils heftige Kritik geübt. Es handelt sich dabei um folgendes Motiv: http://gallery.thomann.de/thumb/thumb800x533/103/602.jpg
Unsere Kritik bezieht sich auf die offensichtliche Objektifizierung der teilweise abgebildeten Frau, eine weit verbreitete und leider auch weithin akzeptierte Form von Sexismus, wie er leider besonders in der Werbung alltäglich ist. Ich war bisher sehr zufriedener Kunde und gerade deshalb sehr irritiert, als ich dieses Bild zum ersten mal sah. Ich habe im Anschluss einen längeren Artikel ins Internet gestellt, in dem ich auf die Problematik der Darstellung ausführlicher eingehe: http://raummaschine.de/blog/2012/06/12/dann-geh-ich-halt-schach-spielen/
Was für mich jedoch noch weitaus abschreckender ist, als das Bild selbst, ist die Reaktion der Mitarbeiter in ihrem Social Media-Team, welche den Twitter- und Facebook-Account betreuen. Es gab auch nach mehreren, auf der einen Seite kritischen und auf der anderen Seite offen sexistischen Kommentaren unter dem Posting keinerlei Reaktion. Auch über den offiziellen Twitter-Account, der lautstark auf das Bild und die sich darunter sammelnden Bemerkungen aufmerksam gemacht wurde, gab es keine Stellungnahme. Nach der Löschung des Bildes durch Facebook wurde selbige bedauert und zum Hohn aller Kritiker anschließend die Galerie mitsamt des kritisierten Bildes auf Twitter verlinkt, sowie jede auf den Fotos zu sehende Person namentlich genannt, mit Ausnahme der nackten Frau.
Ich bin bisher als Kunde der Auffassung gewesen, dass Thomanns Angebot und Dienstleistungen gut genug seien, um auf diese Form der sexistischen Werbung verzichten zu können. Ich war auch der Ansicht, dass sich die guten Erfahrungen mit ihrem Support auch bei der Kommunikation über die sozialen Netzwerke niederschlagen würde. Beides waren wohl Irrtümer.
Ich möchte Ihnen hiermit die Gelegenheit zu einer offiziellen Stellungnahme geben, die ich dann natürlich in meinem Blog veröffentlichen werde.
Mit freundlichen Grüßen, Daniel Ziegener
Die Antwort von Marketingleiter Sven Schoderböck
Hallo Herr Ziegener,
Hans Thomann hat mir Ihre Mail weitergeleitet, aber wie ich ihn kenne, wird er sich auch noch selbst bei Ihnen melden :-)
Jeder Kunde, der sich bei uns meldet, kriegt - wie immer so auch jetzt - eine Antwort, aber an der Facebook-Diskussion über Sexismus möchten wir uns derzeit nicht beteiligen. Das führt zu nichts, sorry ;-)
Kurz zu unserer Kampagne: Die Idee kam tatsächlich ursprünglich von einer Frau, es waren verschiedene Damen an der Umsetzung und auch an der Gestaltung der Anzeige beteiligt und NIEMAND hatte jemals im Sinn, eine sexistische Anzeige zu gestalten! Es ging einfach nur darum darzustellen, wie es sich anfühlt, Musik zu machen. Nicht mehr und nicht weniger, und so steht’s auch in der Anzeige.
Mal ehrlich: was wäre passiert, wenn wir statt eines Mannes eine Frau als Piano-Spielerin im Motiv gehabt hätten? Wäre es dann weniger sexistisch oder hätten wir dann den Mann zum gesichtlosen Sexobjekt degradiert?
Sie können mir glauben, dass wir sehr genau beobachten, wie die Kampagne bei unseren Kunden ankommt und dass wir keinesfalls die Meinung unserer Kunden ignorieren. Dennoch stehen wir auch zu unserer Kampagne und der Aussage, die wir darin machen, denn sie hat weder etwas mit Sexismus noch mit Diskriminierung, Objektifizierung, Tierquälerei, Martialismus (oder was auch immer reininterpretiert wurde) zu tun, sondern ausschließlich damit, wie sich Musik machen anfühlt :-)
Wenn wir Sie mit der Anzeige beleidigt haben, tut es mir trotzdem furchtbar leid.
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!
Mit freundlichen Grooves :-)
Sven Schoderböck Musikhaus Thomann Marketing-Leiter
Die kurze Antwort von Geschäftsleiter Hans Thomann
Lieber Herr Ziegener,
Sven Schoderböck ist mit Ihnen in Verbindung und hat Ihnen ein E-Mail geschrieben. Ich möchte Sie auch zu Ihren Blog beglückwünschen, wirklich gut Arbeit. Sollte noch Fragen offen sein, können Sie sich gerne an Sven oder mich wenden.
Liebe Grüße aus Treppendorf!
Hans Thomann
Die Raummaschine